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Eine Sache, die wir alle gemeinsam haben, ist die Unmenge an Entscheidungen, die wir tagtäglich zu treffen haben. Sie verfolgen uns ein Leben lang und nicht ohne Grund ist es vorteilhaft, weise Entscheidungen zu treffen. Denn immerhin führen selbst die kleinsten Entscheidungen zu Kettenreaktionen, die unser ganzes Leben nachhaltig beeinflussen. Vielen Menschen passiert es häufig, dass ihre Selbstzweifel oder ihr Perfektionismus sie davon abhalten, auf Anhieb ein Urteil zu fällen. Das Risiko besteht nämlich, dass wir unsere Wahl bereuen und uns im Nachhinein fragen, wie das Leben wohl verlaufen wäre, wenn wir uns anders entschieden hätten. Resonieren diese Worte mit deiner Situation und denkst du dir “Ich kann mich nicht entscheiden!“, gibt es keinen Grund zur Sorge. Im Nachfolgenden möchte ich dir Tipps mit auf den Weg geben, die deine Entscheidungsfindung leichter gestalten sollten.

Zuerst einmal sollte man jedoch wissen, warum Entscheidungen uns manchmal das Leben zur Hölle machen können.

Warum es manchmal schwer ist, Entscheidungen zu treffen

Jeden Tag kommt es vor, dass wir tausende kleine und unbedeutsame Entscheidungen treffen. Manchmal geht es darum, ob wir endlich wieder zum Sport gehen, welche Kleider wir anziehen oder welches Gericht wir zubereiten sollen. Faszinierend ist, dass wir solche Entscheidungen oftmals in wenigen Sekunden treffen und anscheinend keine Schwierigkeiten mit ihnen haben.

Dies ändert sich jedoch schlagartig, wenn unsere Entscheidungen durch externe Dinge komplizierter gemacht werden. Wenn es darum geht, welches Outfit du heute zu Hause trägst, wirst du mit Sicherheit nicht lange überlegen. Sobald du dich aber für ein Bewerbungsgespräch einkleiden musst, wirst du feststellen, wie deine Entscheidungsfindung auf einmal sehr anstrengend sein kann.

Natürlich wäre es nicht ratsam, wenn man von nun an alle Entscheidungen in ein paar Millisekunden fällt, ohne die Vor- und Nachteile abzuwägen. Trotzdem rate ich dir dazu, dich in Zukunft darum zu bemühen, deine Entscheidungen so schnell wie möglich zu treffen. Zur Hilfe solltest du dir dabei stets Folgendes im Hinterkopf behalten:

  • Gib jeder Entscheidung eine Deadline
  • Schließe mit der Tatsache Frieden, dass du nicht immer die perfekte Entscheidung treffen kannst.
  • Sollte eine Entscheidung nach hinten losgehen, solltest du dir immer vor Augen halten, dass falsche Entscheidungen nie das Ende bedeuten. Das Leben bietet dir auch nach Rückschlägen immer wieder neue Möglichkeiten.
  • Sich lange mit einer Entscheidung umherzuschlagen, bedeutet nicht, dass du deshalb ein gewissenhafteres Urteil fällst.

Ich kann mich nicht entscheiden! – Tipps, mit denen du leichter Entscheidungen treffen wirst

Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Hast du bereits erkannt, dass du ein Problem mit Entscheidungen hast, hoffe ich, dass dir die nächsten Tipps weiterhelfen können.

Die 10-10-10-Regel

In ihrem gleichnamigen Buch präsentiert Suzy Welch, eine amerikanische Autorin, die sogenannte 10-10-10-Regel, die Menschen mit Entscheidungsproblemen als Richtlinie weiterhelfen soll.

Die Regel besagt, dass man eine Entscheidung aus drei verschiedenen Perspektiven betrachten und sich die folgenden Fragen stellen sollte:

  • Wie werde ich über meine Entscheidung in 10 Minuten nachdenken?
  • Wie werde ich in 10 Monaten darüber denken?
  • Und wie werde ich in 10 Jahren darüber denken?

Ziel dieser Regel ist es, deine Entscheidung aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und sicherzugehen, dass du im Nachhinein keine Fehlentscheidung zu bereuen hast. Kannst du nämlich im Voraus einschätzen, wie du mit dem Ausgang einer Entscheidung zukünftig umgehen wirst, wird es dir leichter fallen, dich für die richtige Sache zu entscheiden.

Mann steht vor einer Karte und plant etwas

Automatisiere einige Entscheidungen

Wenn wir tagtäglich unzählige Entscheidungen treffen, wird an unseren kognitiven Ressourcen gezehrt, die uns tagtäglich nur begrenzt zur Verfügung stehen. Das ist auch der Grund, warum viele Menschen abends einen Heißhunger für Ungesundes verspüren und es ihnen schwerfällt, von ihren schlechten Gewohnheiten abzulassen.

Dies kannst du verhindern, indem du einige deiner täglichen Entscheidungen automatisierst. Zum Beispiel gibt es Personen, die bereits im Voraus wissen, dass die lange Vorbereitungszeit von gesunden Mahlzeiten sie oft davon abhält, sich richtig zu ernähren. Um diesem Problem entgegenzuwirken, bereiten sie bereits am Anfang der Woche alle Mahlzeiten zu, die sie im Laufe der Woche essen werden. Dadurch wird es nicht mehr vorkommen, dass sie aus Bequemlichkeit zu einer ungesunden Mahlzeit greifen.

Viele erfolgreiche Personen sparen sich die Qual der Wahl, indem sie sich bestimmte Kleidungsstücke mehrfach kaufen und jeden Tag das Gleiche tragen. Dadurch müssen sie morgens nicht die mühselige Entscheidung treffen, welche Kleidung sie tragen möchten. Da sie kaum Klamotten besitzen, greifen sie immer zu den gleichen Sachen und erleichtern sich dadurch ihren Alltag, um ihren Fokus ausschließlich auf ihre Ziele richten zu können.

Versuche stets positiv zu bleiben

Halte dir stets vor Augen, dass eine falsche Entscheidung nie das Ende bedeutet. Denn wie unser Leben verläuft, hängt einzig und allein davon ab, mit welcher Einstellung wir an die Sache rangehen. Sei daher optimistisch und weiß, dass du immer dein Bestes gibst und dir daher keine Vorwürfe machen solltest.

Entscheidungen sollten stets mit deinen Werten vereinbar sein

Selbstbewusste und zielorientierte Menschen scheinen stets zu wissen, welche Entscheidung sie treffen sollen. Das hat etwas damit zu tun, dass sie ganz genau wissen, was sie möchten. Und sie stellen sicher, dass sie sich tagtäglich daran erinnern.

Du wirst dich wundern, wie leicht es dir fallen wird, Entscheidungen zu treffen, wenn du dir stets bewusst machst, was deine genauen Ziele im Leben sind. Solltest du also vor einer Herausforderung stehen und deine Optionen dich in den Wahnsinn treiben, musst du dir vor Augen halten, welche Werte du vertrittst und was deine größten Prioritäten im Leben sind. Schnell wirst du identifizieren, welche Entscheidung mit deinen Zielen unvereinbar sind und welche deine Zukunftsvisionen repräsentieren.

Stelle Vor- und Nachteile gegenüber

Jede Entscheidung bringt Vor- und Nachteile mit sich. Manchmal können wir das auf Anhieb erkennen und gelegentlich bedarf es einer strukturierten Tabelle, in der man jeweils die positiven als auch die negativen Aspekte einer Entscheidung aufschreibt. Sammel alle Argumente, die entweder für oder gegen eine Entscheidung treffen und versuche dabei stets objektiv zu bleiben: Welche Konsequenzen werden auf dich zukommen, wenn du dich entschieden hast?

Bist du ein Satisficer oder ein Maximizer?

Herbert Simon war ein US-amerikanischer Sozialwissenschaftler, der das unterschiedliche Entscheidungsverhalten von Menschen untersuchte. Dabei unterschied er zwischen Satisficern und Maximizern, die sich an der Art und Weise, wie sie Entscheidungen treffen, maßgeblich unterscheiden.

Satisficer sind Personen, die sich dann für etwas entscheiden, wenn ihre Kriterien erfüllt werden. Sie sehnen sich nicht stets danach, das optimale Ergebnis zu erzielen, sondern geben sich mit einem Resultat zufrieden, welches ihren Bedürfnissen entspricht. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie Menschen sind, die sich mit Mittelmaß zufriedengeben. Haben sie das bekommen, was sie ursprünglich wollten, sind sie mit ihrer Entscheidung glücklich und neigen nicht dazu, im Nachhinein ihre Wahl zu bedauern.

Maximizer hingegen sind Menschen, die immer darauf aus sind, die optimale Entscheidung zu treffen. Sollten ein Maximizer beispielsweise vor einem Schaufenster stehen und ein T-Shirt sehen, welches seinen Ansprüchen gerecht wird, könnte er sich trotzdem nicht entscheiden, bis er wirklich jede einzelne Option durchdacht hat, um sicherzustellen, dass er auch wirklich die beste Wahl getroffen hat.

Herbert Simon fand heraus, dass Satisficer in der Regel viel glücklicher sind als Maximizer. Letztere müssen stets viel Zeit und Energie opfern, um eine Entscheidung zu treffen. Dies führt auch häufig dazu, dass sie mehr Angst davor haben, sich falsch zu entscheiden.

Man würde meinen, dass Maximizer glücklicher sind, da sie alle Optionen abwägen und sich vor einer Entscheidung stets umfassend informieren. Ratsamer wäre es jedoch, wenn man sich im Voraus darüber im Klaren ist, welche Kriterien erfüllt sein müssen, bevor man sich für etwas entscheidet. Erreicht eine Option dieses Kriterium, solltest du die Wahl treffen und danach nicht mehr zurückschauen.

Verstehe, welche Rolle Emotionen bei Entscheidungen spielen

Viele Studien haben bereits nachweisen können, welche Hirnregionen bei Entscheidungen mitwirken. Es sind Hirnareale, die in Emotionen involviert sind, wie zum Beispiel die Amygdala. Außerdem kann die Forschung nachweisen, dass das Gedächtnis eine ebenso großen Einfluss ausübt (unter anderem der Hippocampus).

Die Amygdala hilft uns bei Entscheidungen, identifizieren zu können, was für uns gut ist und was möglicherweise unser Wohlergehen gefährden könnte. Dies passiert, indem wir Stimuli in der Umwelt einen emotionalen Wert zuschreiben. So verbinden wir automatisch Emotionen mit Personen, Orten oder Objekten, abhängig davon, welche Erfahrungen wir bisher mit ihnen gemacht haben. Da jeder Stimulus von der Amygdala einen anderen Wert zugeschrieben bekommen hat, können wir uns ein gutes Verständnis von der Welt aneignen und werden dabei unterstützt, uns relativ sicher in unserer Umwelt zu bewegen. Deshalb spielt die Amygdala bei allen unseren Entscheidungen eine wichtige Rolle.

Solltest du dich nicht entscheiden können und fühlt es sich für dich so an, als wenn du in einer Sackgasse wärst, solltest du die Gefühle, die in dir hochkommen, genau betrachten.

Vielleicht kennst du das, wenn man so sehr Angst vor dem Nachspiel einer Entscheidung hat, dass man nach endlosem Hin und Her wie paralysiert dasitzt. Ratsam wäre es, dass man sich aus dieser Paralyse befreit, indem man sich mit den Ängsten beschäftigt, die einem am meisten Sorgen bereiten.

Manchmal verbinden wir unbewusst Angst und Furcht mit unseren Entscheidungen und lassen uns von unseren Emotionen davon abhalten, die richtige Entscheidung zu treffen. Verspürt man diese Widerstände, muss es nicht heißen, dass man die falsche Entscheidung trifft. Im Hintergrund wirken lediglich Mechanismen, die darum bemüht sind, sich um dich zu kümmern und dich zu warnen.

Solange du erkennst, warum und wie Emotionen deine Entscheidungen beeinflussen, kannst du dir sicher sein, dass du dich richtig entscheiden wirst.

Warum man Erfahrungen vertrauen sollte

Die wissenschaftliche Forschung hat im Verlauf der letzten Jahrzehnte herausgefunden, dass der Mensch in den meisten Fällen keine allzu rationalen Entscheidungen trifft, da er oftmals kognitiven Verzerrungen unterliegt. Daher fällt es uns auch häufig schwer, vorherzusagen, was uns wirklich glücklich macht. Deshalb gibt es einige Psychologen, wie zum Beispiel Daniel Gilbert, dem Autor von Stumbling on Happinies, die uns dazu raten, die Erfahrungen anderer Menschen in Anspruch zu nehmen, wenn wir nicht über das Wissen oder die Erfahrung verfügen, um eine Entscheidung zu treffen.

Unabhängig vom Bildungsgrad oder den sozialen Umständen einer Person, verfügt jeder Mensch über mindestens eine Domäne im Leben, in der er sehr viele Erfahrungen sammeln konnte und dir meilenweit voraus ist. Solltest du also mit einer besonders schweren Entscheidung zu kämpfen haben, wäre es am intelligentesten, einen Freund oder Bekannten zu konsultieren, der schon einmal in deiner Situation war.


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