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Die meisten Beziehungen sind zum Scheitern verurteilt. Doch auch wenn das eine Tatsache ist, gibt es keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Denn immerhin offenbart jede Beziehung uns wertvolle Informationen über uns selbst und gibt uns die Möglichkeit, mehr über uns und unsere Bedürfnisse herauszufinden, die uns in zukünftigen Partnerschaften helfen können. Würden wir stattdessen stets mit unserem ersten Partner zusammenbleiben, würden wir womöglich die Chance verpassen, genau den Menschen kennenzulernen, der am besten zu uns passen würde. Doch warum sind Beziehungen so schwer, wenn das Bedürfnis, lang haltende Bündnisse einzugehen, das primäre Verlangen der meisten Menschen ist?

3 Gründe, warum Beziehungen so schwer sind

Liebe setzt sich bekannterweise aus den verschiedensten Faktoren zusammen, die zur Komplexität maßgeblich beitragen. Möchte man eine Beziehung möglichst lange aufrechterhalten, sollte man sich jedoch zuerst darüber im Klaren sein, warum es so schwer ist, eine funktionierende und glückliche Partnerschaft glücken zu lassen. Deshalb gehe ich im Nachfolgenden auf die häufigsten Gründe ein, die für das Scheitern der meisten Beziehungen verantwortlich sind.

Mann raucht eine Zigarette am Fenster

Aufgeben ist die bequemste Art, mit Problemen umzugehen

Jede Beziehung macht anfänglich die wohlbekannte Honeymoon-Phase durch, in der unsere Attraktion für unseren Partner am stärksten ist. Nicht selten ignorieren wir dann die Fehler, die unser Beziehungspartner mit in die neue Beziehung bringt.

Umso länger die Partnerschaft jedoch anhält, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Realität uns einholt und uns vor Augen hält, welche wichtigen Problemstellen wir bisher missachtet haben. Von diesem Punkt an ist entscheidend, dass Liebende viel Engagement und Hingabe beweisen, um die nun wahrnehmbaren Probleme bewältigen zu wollen.

In den meisten Fällen entscheiden sich Personen eher dazu, sich von der Arbeit, die mit einer solchen Beziehung einhergeht, einschüchtern zu lassen. Und besonders in der heutigen Zeit dominiert die Überzeugung, dass selbst kleinste Disparitäten in der Beziehung ein Hinweis dafür sein könnten, dass beide Menschen inkompatibel sind und es deshalb besser wäre, die Liebe aufzugeben.

Auch oftmals ist die Angst vor großen Schmerzen anwesend. Denn umso länger die Partnerschaft andauert, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Ende der Beziehung immer schmerzhafter wird. Deshalb entscheiden sich einige Menschen dazu, bereits früh die Beziehung aufzugeben, bevor der Trennungsschmerz überwältigend sein könnte.

Während einige Menschen Beziehungen eingehen, in der Hoffnung, einen Bund für das Leben schließen zu können, gibt es auch solche, die lediglich darauf aus sind, die Magie zu verspüren, die eine frische Partnerschaft mit sich bringt. Besonders heutzutage liegt es im Trend, seine eigenen Bedürfnisse gegenüber denen der anderen zu stellen. Deshalb neigen einige dazu, keine Bereitschaft dafür zu zeigen, einen Teil ihres Lebens für die Gesundheit, den Erfolg und das Glück eines anderen Menschen zu investieren.

Wirklich entscheidend ist jedoch, dass das ständige Führen solcher flüchtigen Beziehungen dazu führt, dass Betroffene niemals die Fähigkeiten entwickeln, die man benötigt, um auch die frustrierenden Zeiten einer Partnerschaft überwinden zu können.

Wie auch in anderen Lebensbereichen ist es nun mal sehr viel leichter, einfach das Handtuch hinzuwerfen. Dann entscheiden sich einige dazu, den Beziehungspartner dann beiseitezulegen, wenn man das bekommen hat, was man bekommen wollte oder die eigenen Bedürfnisse ausnahmsweise nicht erfüllt werden konnten.

Trauriger Mann sitzt auf einer Couch

Es herrscht kein Verständnis dafür, was Liebe wirklich bedeutet

Nicht nur in der Psychologie fällt es schwer, eine eindeutige Definition dafür zu schaffen, was Liebe wirklich bedeutet. Demnach kann man sich vorstellen, dass alle Menschen eine eigene Vorstellung davon haben, was sie bedeuten soll.

Da wir alle im Verlaufe unserer Kindheit unterschiedliche Bindungsstile zu unseren Mitmenschen erlernt haben, unterscheidet sich folglich auch unsere Vorstellung davon, wie sich Liebe äußert.

Viele Experten sind davon überzeugt, dass man gewisse Liebessprachen unterscheidet, die jeder Mensch individuell spricht. Während einige dazu neigen, stets Worte der Anerkennung hören zu müssen, um sich geliebt und wertgeschätzt zu fühlen, gibt es hingegen Menschen, die fast ausschließlich über nonverbale, physische Berührungen das Gefühl empfinden, geliebt zu werden.

Zwar ist jeder Mensch dazu in der Lage, alle Arten von Liebesbekundungen zu verstehen, doch unterscheiden sie sich darin, wie sehr sie die unterschiedlichen Gesten ihrem Empfinden nach gewichten. Demnach scheitern viele Beziehungen, da es Liebenden oftmals schwerfällt, ein ausgereiftes Verständnis für die Bedürfnisse des anderen zu entwickeln.

Nur die wenigsten Paare schaffen es, mit genügend Durchhaltevermögen und Hingabe den Punkt in der Partnerschaft zu erreichen, an dem die Liebessprache des anderen überhaupt begriffen wird.

Egozentrisches Verhalten überwiegt

Der Mensch tendiert zur Selbsterhaltung. Dieses biologische Bedürfnis erschwert eine Beziehung, wenn zwei Individuen aufeinandertreffen, die instinktiv darauf aus sind, ihre Bedürfnisse und Leidenschaften erfüllt zu bekommen.

Möchte man eine Liebe aufrechterhalten, ist es deshalb entscheidend, dass beide Liebenden eine Befriedigung darin finden, ihre bessere Hälfte glücklich zu machen. Denn nicht selten sind einige Menschen so sehr darauf aus, ihre permanentes Verlangen nach Liebe zu stillen und bemerken deshalb oftmals nicht, dass sie durch das ständige Priorisieren ihrer eigenen Bedürfnisse die Liebe im Keim ersticken.

Hat man einen Menschen kennengelernt, der es wert ist, gewürdigt und geliebt zu werden, sollte es zum Ziel werden, einen Großteil der eigenen Freude aus dem Geben statt dem Nehmen zu schöpfen.

Frau macht Mann Vorwürfe

Wie man die Liebe am Leben erhält

Die Voraussetzung dafür, eine Liebe gelingen zu lassen, ist ein Verständnis dafür zu entwickeln, aus welchen Phasen eine Beziehung typischerweise besteht. Im Nachfolgenden gewähre ich einen Einblick, wie sich Liebe normalerweise entwickelt und versuche zu erläutern, worauf es in den jeweiligen Abschnitten einer Partnerschaft ankommt, um die Liebe glücken zu lassen.

Die Phasen der Liebe

In der Honeymoon-Phase spricht man häufig von intensiven romantischen und sexuellen Gefühlen. In dieser Zeit ist das Bedürfnis überwältigend, den Partner stets an der Seite zu haben und vor allem die intime Lust dominiert die Dynamik zwischen beiden Personen. Diese Gefühle könnte man mit einem Rausch vergleichen.

In der Regel hält diese Phase wenige Wochen oder in manchen Fällen sogar einige Jahre an. Zu diesem Zeitpunkt wäre es nicht ratsam, ernsthafte gemeinsame Zukunftspläne zu gestalten. Liebenden fällt es nämlichen in diesem Abschnitt noch recht schwer, rationale Entscheidungen zu treffen, da ihnen ihre rosarote Brille die Wahrnehmung verzerrt.

Die darauffolgende Phase kennzeichnet, dass der Beziehungspartner von nun an immer weniger idealisiert wird und langsam seinen besonderen Platz auf dem Podest verliert. Von diesem Zeitpunkt an evaluiert man den Partner realistischer, ohne sich dabei von der noch zuvor starken Anziehungskraft blenden zu lassen. Es sollte noch genügend Leidenschaft und vor allem sexuelle Attraktion vorhanden sein, wenn es sich bei den Liebenden um ein passendes Pärchen handelt.

Zum ersten Mal wird die Beziehung auf die Probe gestellt, wenn die Chemie etwas nachlässt und mögliche Problemstellen in der Partnerschaft nicht mehr einfach von beiden Personen ignoriert werden können. Man könnte diesen Abschnitt als ersten Test betrachten, in dem die Kommunikation und die Fähigkeit zur Konfliktresolution von beiden Menschen bewiesen werden muss.

In diesem stürmischen Abschnitt scheitern die meisten Beziehungen, da nun offensichtlich wird, ob beide Personen miteinander kompatibel sind oder nicht. Das Beziehungsende lässt sich dann abzeichnen, wenn keine Streitfähigkeiten vorhanden sind, konstruktive Kommunikation nur sporadisch stattfindet oder Erwartungen enttäuscht werden.

Der Wechsel von einer verträumten Beziehung zu einer Partnerschaft, in der nun ein klarerer Blick herrscht, kann recht rau sein. Wenn Liebende diesen Abschnitt gemeinsam überstanden haben, erreichen sie eine Phase, in der man von einer langfristigen Liebe sprechen könnte. Doch auch in diesem Abschnitt können gelegentlich stürmische Zeiten der Partnerschaft ein Ende bereiten. Verantwortlich dafür ist, dass selbst in den glücklichsten Beziehungen die Liebe oftmals ein Auf und Ab erlebt. Da die Gefühle, die man in einer langfristigen Beziehung für einen anderen Menschen hegt, in den seltensten Fällen Kontinuität aufweisen, müssen verliebte Personen oftmals feststellen, wie sie Zeiten erleben, in denen sie ihren Partner mal etwas mehr oder weniger lieben.

So kann ein Pärchen, das sich wochenlang als Liebespärchen empfunden hat, darauffolgend Phasen durchmachen, in denen sich der Beziehungspartner eher wie ein Zimmergenosse statt wie ein romantischer Partner anfühlt. Wichtig ist in diesem Abschnitt, dass Liebende es lernen, das Auf und Ab in ihrer Beziehung zu akzeptieren und damit Frieden schließen, dass die intensiven Liebesgefühle nicht permanent Teil der Beziehung sein können. Es gilt also in solchen Momenten, die positiven Momente zu genießen und gemeinsam aneinander festzuhalten, wenn die schlechten Zeiten einmal überwiegen sollten. Andernfalls droht die Beziehung zu scheitern.

Die Phasen der Liebe – Ein Fazit

Als Fazit kann man also sagen, dass eine langfristige Liebe sehr schwer ist, weil man tolerieren muss, dass Zeiten unvermeidbar sind, in denen man die Nähe vermisst, die man zu einem anderen Zeitpunkt für den Partner empfand. Unter Umständen kann es sogar vorkommen, dass die Liebesgefühle temporär vollständig abwesend sind und es zu einer Abnahme der Intimität kommt. Fest steht jedoch, dass aufrichtiges Engagement diese vorübergehenden Gefühle überbrücken und die Beziehung wie ein Schiff auf unruhiger See den Sturm überstehen kann.

Tipps, wie man die Liebe am Leben hält

Mann und Frau stehen an einem See

Konzentriert euch auf das Positive – nicht auf das Negative

In einer Beziehung ist es stets von Vorteil, den Partner samt seinen Macken zu akzeptieren. Studien belegen nämlich, dass in den meisten Partnerschaften die Versuche, den Partner verändern zu wollen, nach hinten losgehen.

In einer Untersuchung wurden Teilnehmer angeordnet, Strategien in ihrem Beziehungsleben anzuwenden, die darauf abzielten, ihre Partner zu verändern. Die Ergebnisse zeigten, dass Beziehungen, in denen man bewusst dem Partner zu verstehen gibt, dass er Anweisungen zu folgen und Veränderungen bewirken muss, im Nachhinein größere Probleme aufwiesen. Nachdem die Untersuchungen vorüber waren, evaluierte man nämlich die Partnerschaften und kam zu dem Ergebnis, dass jegliche Versuche, den Partner zwanghaft verändern zu wollen, nicht nur vergeblich, sondern schädlich für die Beziehung waren.

John Gottman, ein bekannter Forscher und Author des Buches “The Seven Principles for Making Marriage Work” behauptet, dass 69 % aller Probleme, die in Beziehungen stattfinden, unüberwindbar sind und die gesamte Partnerschaft lang andauern.

Seiner Auffassung nach verschwenden viele Paare ihre meiste Kraft und Zeit damit, zwanghaft die Makel ihrer Partner verändern zu wollen. Diese Probleme können jedoch oftmals gar nicht überwunden werden, da Gottman der Meinung ist, die meisten Meinungsverschiedenheiten seien in den Persönlichkeitsunterschieden verankert und daher unüberwindbar. Demnach sei es sinnlos, über diese Verschiedenheiten zu streiten, da kostbare Zeit verschwendet und die Beziehung unnötigerweise belastet wird.

Gottmans Untersuchungen zeigten, dass in den besten Beziehungen Liebende stets darauf fokussiert sind, das Gute in der Partnerschaft zu verstärken und die negativen Aspekte zu reduzieren. Deshalb vertritt er auch die Überzeugung, dass die meisten Ehen nicht aufgrund von Meinungsverschiedenheiten oder unüberwindbaren Problemen, sondern wegen zu wenigen positiven Gefühlen zugrunde gehen.

Wichtig zu erkennen ist also, dass Probleme in jeder Partnerschaft auftreten werden und die meisten von ihnen womöglich für uns unüberwindbar sein werden. Mit diesem Wissen ist es uns möglich, uns auf die positiven Aspekte unserer Beziehung zu konzentrieren und zu versuchen, diese Momente zu maximieren.

Individualität sollte beibehalten werden

Vielen scheint es eine romantische Vorstellung zu sein, den Partner als Seelenverwandten oder bessere Hälfte zu betrachten. Dieser Übermut wird jedoch den meisten Paaren früher oder später zum Verhängnis und zerstört die Romantik in der Partnerschaft. Es ist möglich, eine tiefe Bindung zu einem anderen Menschen zu verspüren und sich gleichzeitig zu vergegenwärtigen, dass es sich bei der anderen Person um ein eigenständiges Individuum handelt. Nicht selten verstehen manche ihren Beziehungspartner als ein Puzzlestück, das dazu dient, ihre Unvollständigkeit zu beseitigen.

Wenn man mit einem anderen Menschen eine lange Zeit verbringt, ist es nicht unüblich, dass man sich automatisch als Einheit betrachtet und die Grenzen zwischen der eigenen und der anderen Person flüssiger werden. Deshalb ist es wichtig zu erkennen, dass es für eine langanhaltende Romantik wichtig ist, die eigene Unabhängigkeit und Autonomie aufrechtzuerhalten. Denn nur so kann man sicherstellen, dass man sich selbst und dem Partner den Freiraum gibt, den man braucht, um auch nach vielen Jahren der Zweisamkeit ein starkes Verlangen zu verspüren, Zeit mit dem Beziehungspartner zu verbringen.


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