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Nichts schmerzt mehr, als von jemandem hintergangen zu werden, den man liebt. Vertrauensbrüche gibt es in den verschiedensten Formen. In einigen Fällen ist es Unaufrichtigkeit, Illoyalität oder Untreue, die bei Betroffenen Schmerzen verursacht. Ganz egal, wie Vertrauen gebrochen wird, sind die Konsequenzen für die Leidtragenden tiefgreifend und benötigen nicht selten langwierige Heilungsprozesse, um sich vom Schaden erholen zu können. Da Beziehungen nun mal recht unterschiedlich ausfallen können, muss ein Vertrauensbruch jedoch nicht sofort das Ende bedeuten. In manchen Fällen führen solche Vorfälle sogar dazu, dass die Bindung zweier Personen dadurch noch stärker werden. Die entscheidende Frage, die sich hier stellt, ist, ob der Leidtragende sich dazu bereit erklärt, dem Vertrauensbrecher zu vergeben. Vergebung alleine reicht in den meisten Fällen nicht aus, um einen Verrat einfach beiseitelegen zu können. Viel entscheidender ist nämlich, ob das Vertrauen, welches zuvor in der Beziehung existierte, wiederhergestellt werden kann.

Vertrauen spielt eine so wichtige Rolle, weil es uns das Gefühl gibt, dass wir uns sicher fühlen und unsere Verletzbarkeit zeigen können. Und diese Verletzbarkeit erlaubt es uns letztendlich, dass wir eine enge Bindung zu jemanden aufbauen können. Deshalb möchte ich im Nachfolgenden darauf eingehen, wie der Betrogene und der Vertrauensbrecher zusammen daran arbeiten können, ihr Vertrauen in der Beziehung wieder aufbauen zu können. Im Anschluss möchte ich für Betroffene, deren Vertrauen missbraucht wurde, Ratschläge nennen, die bei der Verarbeitung eines Vertrauensbruchs helfen sollen.

Wie man einen Vertrauensbruch überwinden kann

Vermeide es, dich zu rächen

Wurde man zutiefst verletzt, ist es nur verständlich, dass man das Verlangen entwickelt, sich zu rächen. Man möchte, dass der Vertrauensbrecher die gleichen Schmerzen erleidet, die man selbst durchleben musste. Denn nur so, denkt man sich, kann der Verursacher nachempfinden, welche Qualen man durch den Vertrauensbruch erleiden muss.

Vielleicht bist du wütend und glaubst, dass ein Racheakt gerechtfertigt wäre. Sei dir jedoch sicher, dass in den seltensten Fällen Rache zu etwas Positivem führt. Ein Gegenangriff würde lediglich bedeuten, dass du die Schmerzen, die du erlebst, dadurch intensivierst und den Heilungsprozess in die Länge ziehst.

Vergleiche Verrat mit einer Wunde, die man dir zugefügt hat. Oftmals denkt man, dass man etwas tun müsste, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Umso mehr du jedoch in diese natürlichen Prozesse eingreifst, umso mehr behinderst du die Heilung – und vielleicht hinterlässt du dadurch sogar Narben.

Auch wenn die Versuchung überwältigend sein kann: Halte dir stets vor Augen, dass in einem verletzten und äußerst emotionalen Zustand keine rationalen Entscheidungen getroffen werden können. Solltest du in absehbarer Zukunft auf den Vertrauensbruch zurückblicken, wirst du froh sein, dass du nichts unternommen hast, dass dich und den Vertrauensbrecher in Schwierigkeiten gebracht hätte.

Beende den Kontakt zu seriellen Vertrauensbrechern

Ob du einen Vertrauensbruch vergibst und die Beziehung aufrechterhalten möchtest, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum einen davon, wie schwer der Verrat war, wie wichtig dir die Beziehung ist und wie der Vertrauensbruch vonstattenging.

Ein sehr wichtiger Punkt ist jedoch die Frage, ob es sich bei diesem Vertrauensbruch um eine einmalige Sache handelt oder es bereits mehrere Male vorkam. Dabei musst du noch nicht einmal die Person sein, dessen Vertrauen zum wiederholten Male missbraucht wurde. Vielleicht kennst du Freunde in deinem sozialen Umfeld oder einen Ex-Freund oder eine Ex-Freundin, die von der Person auf gleiche Art und Weise hintergangen wurde.

Wurdest du bereits verletzt oder traust du der Person zu, dass sie ein weiteres Mal dein Vertrauen missbrauchen würde, ist es sehr wichtig, dass du dir Gedanken darüber machst, ob du diese Person wirklich in deinem Leben behalten möchtest.

Ein Herz kann einen Vertrauensbruch verkraften. Sollte man jedoch mühselig das Vertrauen wiederaufgebaut und viel Kraft dafür investiert haben, kann ein zweites Mal ernsthafte Schäden mit sich bringen. Nicht selten werden Menschen emotional so schwer verletzt, dass ihre Beziehungen zu anderen Menschen dadurch beschädigt werden oder sie vielleicht sogar dadurch Traumata erleiden. Ebenso sollte man sich vor Augen halten, dass man nach wiederholtem Vergeben dem Vertrauensbrecher das Gefühl gibt, dass man sein Verhalten duldet und er keine Konsequenzen zu befürchten hat.

Nimm dir genügend Zeit, um dich vom Vertrauensbruch zu erholen

Wenn du von jemandem hintergangen wurdest, ist es am besten, dass du dich vorübergehend von der Person entfernst. Das bedeutet, dass du ihr nicht mehr begegnest, auf Nachrichten nicht mehr eingehst und Anrufe nicht erwiderst. In der heutigen Zeit ist die Versuchung groß, dass man die sozialen Profile überprüft, um sich zu erkundigen, wie der Vertrauensbrecher mit der Situation umgeht. Denn vielleicht – so redet man sich das gerne ein – können seine Social Media-Aktivitäten Aufschluss darüber geben, was nun in seinem Kopf vorgeht.

Den Kontakt aufrechtzuerhalten, ist unter keinen Umständen eine gute Idee. Möchtest du nämlich, dass der Schmerz nachlässt, musst du damit aufhören, deinem inneren Feuer weiterhin Benzin zuzuschütten.

Sollte die Person sich bei dir melden, wäre es eine gute Idee, sie wissen zu lassen, dass du von nun an etwas Zeit für dich brauchst. Dieser Abstand vom Geschehen wird dir dabei helfen, einen klaren Kopf zu bekommen, damit du befreit von Emotionen darüber nachdenken kannst, welcher Schritt nun der beste wäre.

Konzentriere dich auf die Zukunft, nicht auf die Vergangenheit

Sobald ihr beide euren Vertrauensbruch ausgiebig besprochen habt, ist es ratsam, dem Thema ein Ende zu setzen und es in der Vergangenheit verweilen zu lassen. Das bedeutet, dass es keine gute Idee wäre, in einem zukünftigen Streitgespräch den Vertrauensbruch gegen den Partner zu verwenden.

Ebenso sei davon abzuraten, nach einem Vertrauensmissbrauch ständig zu überprüfen, ob der ehemals schuldige Partner lügt. Selbstverständlich ist es nicht leicht, dieses Verhalten am Anfang zu vermeiden. Mit Sicherheit wird es schwerfallen, den Vertrauensbruch beiseitezulegen und so zu tun, als wenn niemals etwas passiert wäre. Solltest du der Beziehung aber eine weitere Chance geben, entscheidest du dich auch dafür, dem Partner ein weiteres Mal zu vertrauen. Auch wenn das auf Anhieb nicht klappen sollte, musst du deinem Partner das Vertrauen schenken.

Solltest du die Vergangenheit nicht in der Vergangenheit ruhen lassen können, wäre dies ein Indiz dafür, dass die betroffene Person noch immer nicht dazu bereit ist, der Beziehung eine zweite Chance zu geben. Unter Umständen könnte eine vorübergehende Distanz zwischen euch dazu führen, dass ihr in naher Zukunft eurer Beziehung eine zweite Chance geben könnt.

Mache dir Gedanken darüber, was zum Vertrauensbruch geführt haben könnte

Wird man vom Partner angelogen und verletzt, kann es sein, dass man der Ursache für den Vertrauensbruch nicht auf den Grund gehen möchte.

Manchmal lügen Menschen, weil ihnen keine bessere Alternative einfällt. Das rechtfertigt natürlich nicht ihr Verhalten, aber es sollte dich stutzig machen, wie du an der Stelle deines Partners mit der Sache umgegangen wärst.

Natürlich ist es egoistisch, einen Beziehungspartner anzulügen, nur um dadurch aus dem Schneider zu sein. Die Umstände des Lebens können uns manchmal aber dazu führen, dass wir bewusst Dinge tun, von denen wir wissen, dass sie den Menschen, die uns am Herzen liegen, schaden anrichten können.

Was auch immer zum Vertrauensbruch geführt hat: Wichtig ist, dass du kommunizierst, dass das Fehlverhalten unter keinen Umständen in Ordnung war. Gehe jedoch dem Grund des Vertrauensmissbrauchs nach. Dadurch wisst du wissen, ob du in absehbarer Zeit wieder dazu in der Lage sein wirst, deinem Partner zu vertrauen.

Vergib dir selbst!

Möchte man Vertrauen zum Partner wiederaufbauen, ist es ebenso wichtig, dass man sich selbst vergibt. Oft kommt es nämlich vor, dass betrogene Personen verzweifelt nach Gründen suchen, warum ihr Vertrauen missbraucht wurde. Sie machen sich Vorwürfe und reden sich ein, dass ihnen so etwas nicht passiert wäre, wenn sie bessere Beziehungspartner gewesen wären. Ebenso häufig zweifeln sie ihr eigenes Urteilsvermögen an und sind davon überzeugt, dass ihre Naivität zum Vorfall beigetragen hat. Wenn wir meinen, die Gründe für den Vertrauensbruch gefunden zu haben, gibt es uns das Gefühl von Kontrolle, da wir überzeugt davon sind, in Zukunft nicht noch ein weiteres Mal verletzt werden zu können. Daher ist es wichtig, zu erkennen, dass das Verhalten des Vertrauensbrechers seine Wahl war und nichts über dich als Person aussagt.

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Vertraue dir selbst

Es ist kaum möglich, jemandem Vertrauen zu schenken, wenn du dir nicht selbst traust. Einige Personen sind davon überzeugt, dass wenn sie jemandem Vertrauen schenken, sie sich von einem Vertrauensbruch nicht noch einmal erholen können. Sie fürchten, dass der Schmerz und die Erniedrigung ihrem Selbstbewusstsein schädigen würde.

Für manche Menschen ist die damit verbundene Angst so intensiv, dass sie keiner Person mehr trauen möchten, um somit ihrer Verletzbarkeit entgegenzuwirken. Bevor man sich jedoch auf die möglichen Konsequenzen eines Vertrauensbruchs konzentriert, wäre es ratsam, sich stets vor Augen zu halten, warum auch nach einer verletzenden Enttäuschung das Leben wieder weitergeht. Mit Sicherheit hast du bereits einige negative Erfahrungen in deinem Leben gemacht. Würdest du nicht auch im Nachhinein sagen, dass diese Erlebnisse dich stärker gemacht und einen Großteil zu deiner Persönlichkeit beigetragen haben?

Manch einer würde sogar behaupten, dass man schwach ist, wenn man auch nach einem schmerzhaften Vertrauensbruch noch zum Partner hält. Dabei benötigt man besonders viel Kraft und zeigt ein ordentliches Maß an Loyalität, wenn man auch in schwierigen Zeiten noch am Bündnis der Partnerschaft glaubt. Gerade dann, wenn man einfach davonlaufen könnte.

Was ein Vertrauensbrecher tun sollte

Spiele mit offenen Karten

Umso früher du mit offenen Karten spielst, umso besser. Denn umso länger du eine Lüge am Leben hältst, umso größer wird der Schaden sein, den du damit anrichtest. Ebenso verminderst du dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass eure Beziehung sich vom Vertrauensbruch erholen kann.

Sollte dein Partner von einer anderen Person erfahren, dass du das Vertrauen gebrochen hast, wirkst du dadurch noch unglaubwürdiger und erweckst den Anschein, dass du nicht vertrauenswürdig bist. Und wenn dir deine Beziehung am Herzen liegt, solltest du dieses Risiko niemals eingehen.

Gehe auf die Fragen ein, die dein Partner stellt

Es ist sehr wichtig, dass du nach dem Offenlegen deiner Karten damit rechnest, dass dein Partner dich mit Fragen löchern wird. Sollte die betroffene Personen Informationen von dir brauchen, wäre es ratsam, deinem Gegenüber mit vollstem Verständnis zu begegnen. Denn immerhin wird dein Partner sicherstellen, dass es nicht noch weitere Details gibt, die du verheimlichen möchtest. Und diese Annahme ist nicht unbegründet, denn immerhin hast du bereits ihr Vertrauen verspielt.

Achte beim Preisgeben der Wahrheit darauf, dass du nur Informationen mitteilst, die wichtig für das Wiederaufbauen von Vertrauen sind. Sollte eine Affäre Grund für den Vertrauensbruch sein, wäre es keine gute Idee, zu sehr ins Detail zu gehen. Denn einerseits wird dein Partner berechtigterweise das Bedürfnis verspüren, alles bis ins kleinste Detail zu wissen. Entscheide daher, welche Informationen für die Rettung eurer Beziehung eine Rolle spielen und wann du das Wohlbefinden deines Partners schützen musst.

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Erwarte keine Wunder

Wir alle gehen mit Vertrauensbrüchen unterschiedlich um. Während einige Menschen mit kleineren Verletzungen davon kommen, gibt es auch jene, für die mit dem Missbrauch ihres Vertrauens eine ganze Welt zusammenbricht. Du solltest deshalb damit rechnen, dass dein Partner viel Zeit und Evidenz braucht, um ein Grundvertrauen zu dir wiederaufbauen zu können. Deshalb rate ich dir, mit viel Geduld an die Sache heranzugehen. Sollte dein betroffener Partner nicht das Gefühl haben, dass du die nötige Ausdauer beweisen möchtest, wird sie anzweifeln, ob du wirklich investiert genug bist, um die Beziehung zu retten.

Übernehme die volle Verantwortung für dein Verhalten

Sehr häufig kommt es in Beziehungen, in denen das Vertrauen verspielt wurde, vor, dass ein Vertrauensbrecher seine Schuld auf seinen Partner übertragen möchte, um so seine Taten zu relativieren. Zum Beispiel sagen einige Personen:

“Wenn du mir damals mehr Aufmerksamkeit geschenkt hättest, wäre ich niemals fremdgegangen!”.

Hierbei handelt es sich beim Vertrauensbrecher um einen verzweifelten Versuch, die Schuldgefühle auf den Partner abzuwälzen. Dabei besteht oft irrtümlicherweise die Hoffnung, dass die Übertragung der Schuldgefühle dazu führen würde, dass der Partner einen Fehltritt eher verzeiht, als wenn man die volle Verantwortung für die Fehler übernimmt.

Stattdessen solltest du zu deinen Taten stehen und alle möglichen Erklärungen, Rationalisierungen und Entschuldigungen für dein Verhalten meiden. Selbst dann, wenn du wirklich der Meinung bist, dass das Verhalten deines Partners etwas zu deinem Vertrauensbruch beigetragen hat, solltest du Wunden erst einmal heilen und Zeit vergehen lassen, bevor du auf diese Dinge eingehst.

Erkenne die Chancen für eure Beziehung

Obwohl die Genesung einer Beziehung viel Zeit und Courage beansprucht, kann der Nutzen, der daraus gezogen wird, besonders lohnenswert sein. Sollte eine Partnerschaft einen schwerwiegenden Vertrauensbruch überstanden haben, besteht die Möglichkeit, dass die Beziehung danach stärker als je zuvor wird. Nachdem ich mich mit einigen Paaren über dieses Thema unterhalten habe, berichteten mir viele von ihnen, wie sie nach einem Vertrauensbruch die Bindung und das Vertrauen, das sie zueinander haben, dadurch festigen konnten.

Natürlich wäre es immer am besten, wenn man gar nicht erst in Versuchung gerät, das Vertrauen des Partners zu missbrauchen. Wurde aber bereits Schaden angerichtet, ist die Chance hoch, dass eine Beziehung aus einem solchen Fauxpas ihre Stärke ziehen kann.

Denke ernsthaft über deine Gründe nach

Bevor du dich darauf konzentrierst, wie du das Vertrauen in deiner Beziehung wiederaufbauen kannst, solltest du in dich gehen und darüber nachdenken, warum du das Vertrauen deines Partners missbraucht hast. Hat dir etwas in der Partnerschaft gefehlt? Oder war dein Vertrauensmissbrauch nur ein dummer Fehler, der garantiert nicht noch einmal vorkommen wird?

Verstehe das Motiv hinter deiner Tat, denn ansonsten läufst du Gefahr, den gleichen Fehler bald schon wieder zu machen. Solltest du jedoch zu voreilig an eine Versöhnung mit deinem Partner denken, ohne den wahren Grund für deine Tat herauszufinden, wird die zweite Lüge für eine viel größere Enttäuschung sorgen.

Ein Fazit – Was es bedeutet, einem anderen Menschen Vertrauen zu schenken

Ganz egal, wie vertrauenswürdig eine Person auch zu sein scheint: Dass das Vertrauen durch eine andere Person niemals gebrochen wird, kann man niemals garantieren. Deshalb steckt in jedem Vertrauen mehr Glaube, als man denkt.

Wie es für dich nach dem Vertrauensbruch weitergeht, solltest du davon abhängig machen, welches Verhalten du von der Person erwartest, die dein Vertrauen missbraucht hatte. War die Entschuldigung der Person aufrichtig? Ist sie in anderen Lebensbereichen zuverlässig? Oder handelt es sich bei diesem Vertrauensbruch um ein Verhalten, das sehr typisch für diese Person ist? Und zu guter Letzt: Überwiegen die positiven Aspekte eurer Beziehung den negativen?


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